Thema Gewalt in der Pflege

Zahlen über Gewalt in der häuslichen Pflege

Mindestens die Hälfte älterer Menschen erlebt Gewalt durch ihre pflegenden Angehörigen. 2014 berichtete der WDR über eine Studie der europäischen Union, nach der wenigstens 25 Prozent der Pflegebedürftigen daheim von ihren Angehörigen Vernachlässigung oder Misshandlung erfahren. Demenzkranke sind in diesem Ergebnis nicht mitgerechnet. Doch auch ein Drittel der Pflegepersonen muss sich verbale Aggressionen gefallen lassen, knapp ein Fünftel erlebt sogar körperliche Gewalthandlungen durch ihre pflegebedürftigen Angehörigen, berichtet eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Umgang mit Wut und Stress

Die Betreuung eines Angehörigen kann sehr anstrengend sein, wenn nicht genügend Unterstützung geholt wird. Viele Demenzkranke Pflege derart überfordert fühlen, nutzen Sie die vielen Entlastungsangebote und geben Sie einen Teil der Pflege ab, indem Sie Ihren Angehörigen zum Beispiel in die Nachtpflege geben, damit Sie den notwendigen Schlaf bekommen.

Außerdem gibt es ehrenamtliche Helfer, die Sie generell bei der Pflege unterstützen können. Nehmen Sie sich täglich Zeit für sich, in der Sie sich bewusst entspannen und Ihren Interessen nachgehen. Je ausgeglichener Sie sind, desto besser kommen Sie mit einer Pflegesituation zurecht.

Umgang mit Gewalt durch den Pflegebedürftigen

Wenn Sie als pflegender Angehöriger Opfer häuslicher Gewalt werden, kann dies verschiedene Ursachen haben: Viele Pflegebedürftige können die Abhängigkeit vom pflegenden Familienmitglied nicht ertragen und werden daher aggressiv. Besonders Demenzkranke können aufgrund ihrer Krankheit die Pflegebeziehung nicht richtig begreifen und reagieren mit verbalen und körperlichen Angriffen. Einige Medikamente können ebenfalls zu Aggressionen führen.

Hilfe finden bei Gewalt

Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt über die Aggressionen und lassen Sie die Medikamente überprüfen. Wenn eine Aussprache mit dem Pflegebedürftigen nicht möglich ist, sollten Sie überlegen, ob Sie die Pflege besser einer Einrichtung überlassen. Wenigstens sollten Sie jedoch mehr Entlastungsangebote der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen, um sich dem Fokus Ihres pflegebedürftigen Angehörigen zu entziehen.
Beratung zum Thema Gewalt finden Sie bei Pflegestützpunkten, Krankenkassen, Alzheimer-Selbsthilfegruppen, ambulanten Pflegediensten und in Gerontopsychiatrischen Abteilungen der Kliniken. Bei der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e. V. finden Sie in akuten Notsituationen Hilfe in einem telefonischen Gespräch (http://www.hsm-bonn.de/notruf.php).

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